The Cleaners: Im Schatten der Netzwelt

Wer entscheidet, was in den sozialen Medien veröffentlicht werden darf? Die beiden Filmemacher Hans Block und Moritz Riesewieck tauchen in ihrem ersten Dokumentarfilm „The Cleaners“ ein in die grausame und traumatisierende Arbeit der " Content Moderators". Der Film wird im September 2018 beim Barcamp Kirche online in Köln gezeigt.

Videos von Ermordungen und Enthauptungen, Pornographie und Aufrufe zum Terrorismus – nicht alles, was tagtäglich auf Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube hochgeladen wird, darf dort bleiben. Im Zentrum von „The Cleaners“ stehen die Menschen, die im Sekundentakt über »Delete« (Löschen) oder »Ignore« (Ignorieren) entscheiden müssen. Diese so genannten „Content Moderators“ sitzen meist in Schwellenländern wie den Philippinen, wo die Arbeitskraft billig und der einzelne einfach zu ersetzen ist.

Nach Manila sind die Filmemmacher Block und Riesewieck gereist, um zu recherchieren, obwohl es Content Moderatoren mittels regider Geheimhaltunsgvereinbarungen verboten ist, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Auf der Website zum Film erzählen die Filmemacher: „Als wir nach monatelanger Recherche endlich mit den jungen Arbeiter*innen in Kontakt kamen, waren wir überrascht, wie stolz viele auf ihre Arbeit als Content Moderators sind. Manche empfinden sogar eine christliche Pflicht, gegen das ,Böse’ im World Wide Web zu kämpfen und die sozialen Plattformen, wie sie es nennen, ,gesund' zu halten.“

Faszinierend und verstörend.

Gleichzeitig zeigt der Film, dass viele von ihnen Symptome aufzeigen, die denen von Soldaten nach Kriegseinsätzen ähneln. Im Magazin epd film kommentiert Sascha Westphal: „Die zahlreichen Interviews fügen sich zu einem ebenso faszinierenden wie verstörenden Zeitporträt zusammen.“

Zugleich gibt er zu bedenken: „Aber sie befreien uns eben nicht nur von unseren Sünden, sie bauen auch an einer gleichgeschalteten Welt, in der die Vorgaben einiger Großkonzerne darüber entscheiden, welche Informationen wir bekommen, welche Kunst wir sehen dürfen und was politisch akzeptabel ist.“ Parallel zu den Geschichten von fünf Content Moderatoren und ihren traumatisierenden Erfahrungen erzählt der Film außerdem von den globalen Auswirkungen der Online-Zensur und zeigt, wie Fake News und Hass durch die Sozialen Netzwerke verbreitet und verstärkt werden.

Potenzial und Grenzen gleichermaßen diskutieren

Nach seiner Premiere beim Sundance Festival im Januar war der Film in den letzten Monaten in den deutschen Kinos zu sehen. Beim „Barcamp Kirche online“ haben nun alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, den Film nach den Sessions am Samstagabend, 29. September, in der Melanchthon-Akademie in Köln zu sehen.Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit zum Gespräch.

„Das Soziale in den Sozialen Medien hat ein großes Potenzial“, mein Pfarrer Jan Ehlert, einer der Organisatoren des #bckirche. „Aber neben allen Träumen von einem gelingenden digitalen Miteinander müssen wir uns immer wieder auch den Fragen nach den Grenzen des Einflusses von Facebook, YouTube, Twitter & Co auf uns und unsere Gesellschaften stellen.“

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